Lostprophets, Dublin/Ambassador Theatre -by Daniela Falkenstein-

Lostprophets – Dublin, Ambassador Theatre, 27.11.04

Die Geschichte der lostprophets liest sich wie aus einem Märchen: stammend aus dem kleinen Örtchen Pontypridd nahe Cardiff in South Wales (genauer? -> Pampa) wurde das Sextett nach nur einem Album 2001 zum neuen Stern am Metal-Core-Himmel. Nun, 3 Jahre später, nach Veröffentlichung des 2. Longplayers „Start Something“ sind sie DIE neuen Superstars der nach Aussagen von Sänger Ian Watkins britischen „post-nu-screamaemuhipstermetalcorepunk, with a bit of jazz flute „-Szene. Aber leider nur dort. Hierzulande zählen sie noch zu den Underdogs, auf gut deutsch „Geheimtips“, und werden hoffentlich mit der nächsten Welle britischer Musik endgültig eingeschwemmt.

Nach meinen nunmehr 3 Gigs in Deutschland, reichend von „Wow, wer sind denn die??“ (Rock am Ring ’04) über „Gott, waren die bei RaR auch so schlecht?“ (Köln, Live Music Hall, 8.11.04) bis hin zu „Wow, irre!! Das waren schon die selben gestern, oder?“ (Frankfurt, Batschkapp, 9.11.04) hab ich mich von den unglaublich überschwänglichen britischen live Reviews beeinflussen lassen und meinen Flieger nach Dublin, eine Woche vor Stichtag gebucht. (Es leben die Billigflieger!) Und ich wurde nicht enttäuscht! Mussten wir uns in Deutschland mit einer recht mageren 10 Song „starken“ Setlist begnügen und die Jungs ohne Zugabe nach knappen 50min von der Bühne ziehen lassen, lieferten sie in Dublin eine grandiose Show ab:

~So here we go again Another time, but it feels the same~

War es hierzulande noch ein recht merkwürdiges „Back to the Future“ Intro, eröffnete nun ein Piano Solo von Keyboarder/Screamer Jamie Oliver die knapp 75 minütige Powershow. Die ersten 3 Songs (To Hell we ride, We are Godzilla, you are Japan, Shinobi Vs Dragon Ninja) brachten sowohl Publikum als auch Band mächtig ins Schwitzen. Sänger Ian Watkins dominierte die Menge mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz, hüpfte und sprang ununterbrochen und traf dennoch jeden einzelnen Ton. Auch der Rest der Band stand dem in nichts nach. Selten, mit Ausnahme von Drummer Mike Chiplin, blieben die Jungs länger als 10 Sekunden ruhig auf einem Platz stehen.

Wie zu erwarten, ernteten aber die Hitsingles „Last Train Home“, „Wake up (make a move)“, und der neue UK Release „Goodbye Tonight“, mit ihren eingängigen, zum mitsingen ansteckenden Refrains die besten Reaktionen der Menge.

Mit eine rührenden Ansprache über „Vergesse niemals deine Freunde und woher du kommst“ leitete Watkins den Gute-Laune Hit „Last Summer“ ein. Quasi frisch im Ruhrpott lebend und jetzt einsam gestrandet im fernen Irland, war ich –zugegeben- recht gerührt. Neben vielen „Talk-Passagen“ zwischen den Songs und unermüdlicher Publikumsanimation seitens der Band erwartete uns ein Paradebespiel für die Interaktion zwischen Band und Publikum bei „I don’t know“. Nach nicht enden wollenden „Take your shoes of!“ Rufen der Menge grinste Watkins schelmisch :"Take what off, take my shoes off? Alright. I'm doing this song with no shoes on.” Die Menge war zufrieden, die Band belustigt – kurzum, eine gelungene Slapstickeinlage Watkins’.

Beendet wurde die fulminate Show mit der 1. Singleauskopplung „Burn Burn“, die ein absoluter „Brenner“ live ist. Kleiner Wehrmutstropfen: sind wir Deutschen noch in den Genuss weitere Songs des 1. Albums „The Fake Sound of Progress“ wie „Five is a four letter word“ oder, die nach Aussagen von Sänger Watkins “live Premiere” des B-Side Songs “Push out the Jive bring in the Love”, gekommen, mussten sich die Iren mit den ersten beiden Singles “Shinobi Vs Dragon Ninja” und dem titelgebenden „Fake Sound of Progress“ begnügen. Leider gab auch hier, wie in Deutschland keine Zugabe, aber es war definitiv einer der besten live Gigs, den ich je miterleben durfte. Auch der Rest des Publikums schien zufrieden, als sie sich mit schmerzenden Beinen und heiseren Kehlen auf den Heimweg machten.

~It's so good like this, these are times we'll miss The memories, I hope they'll never fade~

hinzugefügt: December 28th 2004
Tester: Daniela Falkenstein